Migration von OTRS Community Edition zu OFORK
Migration von OTRS Community Edition zu OFORK
Section titled “Migration von OTRS Community Edition zu OFORK”Die Migration von OTRS Community Edition zu OFORK wird wie ein kontrollierter Systemwechsel behandelt: zuerst wird das bestehende System vollständig gesichert, danach wird OFORK sauber installiert, die bestehende Konfiguration und Datenbasis werden übernommen und anschließend mit dem passenden Migrationsskript aktualisiert.
Dieser Leitfaden beschreibt den Ablauf für eine klassische Linux-Installation unter /opt/ofork. Die Befehle müssen an Ihre Serverumgebung, Datenbanknamen, Benutzer und Pfade angepasst werden.
In diesem Guide: Vorbereitung, Sicherung, OFORK-Installation, Konfigurationsübernahme, Dateirechte, Migrationsskript, Neustart und Fehlerprüfung.
Ziel der Migration
Section titled “Ziel der Migration”Bei der Migration sollen die wichtigen Betriebsdaten aus dem bisherigen Ticketsystem in OFORK weiterverwendet werden. Dazu gehören insbesondere Tickets, Artikel, Kunden, Benutzer, Gruppen, Rollen, Queues, Services, Vorlagen, Systemkonfiguration und E-Mail-Einstellungen.
Der Ablauf folgt technisch demselben Grundprinzip wie ein OFORK-Update: Das alte System wird nicht direkt überschrieben, sondern zuerst gesichert und separat abgelegt. Erst danach wird die neue OFORK-Version installiert und mit den übernommenen Daten verbunden.
Voraussetzungen
Section titled “Voraussetzungen”Vor Beginn sollte geprüft werden, ob das bestehende System sauber läuft und ob ein vollständiger Zugriff auf Server, Dateien und Datenbank vorhanden ist.
Wichtig sind:
- SSH-Zugriff auf den Server
- Root-Rechte oder ein Benutzer mit
sudo - Zugriff auf die bestehende Datenbank
- Zugriff auf das bisherige Installationsverzeichnis
- genug freier Speicherplatz für Dateisicherung und Datenbankdump
- Wartungsfenster ohne aktive Benutzer im System
- funktionierende Rücksicherung aus Backup
Die Migration sollte nicht während des laufenden Tagesbetriebs durchgeführt werden. Während der Migration dürfen keine neuen Tickets, E-Mails oder Agentenaktionen mehr im alten System entstehen.
Schritt 1: Wartungsfenster festlegen
Section titled “Schritt 1: Wartungsfenster festlegen”Informieren Sie Agenten und Administratoren vorab über das Wartungsfenster. Das alte System sollte während der Migration nicht mehr produktiv genutzt werden.
Empfohlen:
- neue E-Mail-Abholung pausieren
- Agenten abmelden lassen
- laufende Cron-Jobs stoppen
- Webzugriff während der Migration sperren
- Backup vor Beginn prüfen
Schritt 2: Dienste stoppen
Section titled “Schritt 2: Dienste stoppen”Stoppen Sie zuerst alle Dienste, die auf das Ticketsystem zugreifen können. Die konkreten Dienstnamen können je nach Distribution abweichen.
root> /etc/init.d/cron stoproot> /etc/init.d/postfix stoproot> /etc/init.d/apache stopFalls Ihr Server systemctl verwendet, können die Befehle entsprechend so aussehen:
root> systemctl stop cronroot> systemctl stop postfixroot> systemctl stop apache2Stoppen Sie danach die jobspezifischen Prozesse des bestehenden Systems.
ofork> cd /opt/ofork/ofork> bin/Cron.sh stopofork> bin/ofork.Daemon.pl stopFalls die Altinstallation noch unter einem anderen Pfad liegt, verwenden Sie den tatsächlichen Installationspfad.
Schritt 3: Datenbank sichern
Section titled “Schritt 3: Datenbank sichern”Erstellen Sie vor jeder Änderung einen vollständigen Datenbankdump.
root> mkdir -p /opt/ofork-migration-backuproot> mysqldump -u root -p --single-transaction --routines --triggers --events otrs > /opt/ofork-migration-backup/otrs-before-ofork.sqlWenn Ihre Datenbank bereits ofork heißt, passen Sie den Datenbanknamen entsprechend an:
root> mysqldump -u root -p --single-transaction --routines --triggers --events ofork > /opt/ofork-migration-backup/ofork-before-migration.sqlPrüfen Sie anschließend, ob die Sicherungsdatei erzeugt wurde und nicht leer ist.
root> ls -lh /opt/ofork-migration-backup/Schritt 4: Bestehende Dateien sichern
Section titled “Schritt 4: Bestehende Dateien sichern”Benennen Sie die bestehende Installation um oder kopieren Sie sie in ein Backup-Verzeichnis. Dadurch bleibt der alte Stand erhalten.
root> cd /optroot> mv ofork ofork-oldWenn die bisherige Installation noch unter einem anderen Namen liegt, sichern Sie dieses Verzeichnis entsprechend:
root> cd /optroot> cp -a otrs ofork-oldWichtig ist, dass die alte Installation vollständig erhalten bleibt. Dazu gehören Konfiguration, Artikeldateien, eigene Erweiterungen, Themes, lokale Anpassungen und Logdateien.
Schritt 5: OFORK installieren
Section titled “Schritt 5: OFORK installieren”Laden Sie das aktuelle OFORK-Archiv herunter und entpacken Sie es unter /opt.
root> cd /optroot> wget https://ftp.o-fork.de/ofork-12.0.3.tar.gzroot> tar xzf ofork-12.0.3.tar.gzroot> mv ofork-12.0.3 oforkDanach sollte die neue Installation unter /opt/ofork liegen.
root> ls -la /opt/oforkSchritt 6: Konfiguration übernehmen
Section titled “Schritt 6: Konfiguration übernehmen”Kopieren Sie die bestehende Konfigurationsdatei in die neue OFORK-Installation.
root> cp /opt/ofork-old/Kernel/Config.pm /opt/ofork/Kernel/Config.pmPrüfen Sie danach die Pfade und Datenbankdaten in Kernel/Config.pm.
Besonders wichtig sind:
- Datenbankname
- Datenbankbenutzer
- Datenbankpasswort
- Systempfad
- Hostname
- E-Mail-Konfiguration
- Dateispeicherpfade
Wenn das alte System nicht unter /opt/ofork installiert war, müssen die Pfade in der Konfiguration angepasst werden.
Schritt 7: Artikeldaten übernehmen
Section titled “Schritt 7: Artikeldaten übernehmen”Wenn Artikeldaten im Dateisystem gespeichert wurden, muss der entsprechende Ordner aus der alten Installation übernommen werden.
Typischer Standardpfad:
root> cp -a /opt/ofork-old/var/article /opt/ofork/var/Je nach Systemkonfiguration kann der Pfad abweichen. Prüfen Sie deshalb in der alten Konfiguration, ob ein eigener Artikelpfad gesetzt wurde.
Zusätzlich sollten eigene Dateien, Anhänge, Logos oder lokale Anpassungen kontrolliert werden.
Schritt 8: Eigene Anpassungen prüfen
Section titled “Schritt 8: Eigene Anpassungen prüfen”Übernehmen Sie eigene Anpassungen nicht blind. Prüfen Sie jede Änderung darauf, ob sie mit der neuen OFORK-Version noch kompatibel ist.
Typische Bereiche sind:
- eigene Skins und Logos
- angepasste Templates
- eigene Perl-Module
- zusätzliche Pakete
- lokale Konfigurationsdateien
- kundenspezifische Erweiterungen
Wenn Erweiterungen nicht mehr kompatibel sind, sollten sie vor dem ersten produktiven Start deaktiviert oder aktualisiert werden.
Schritt 9: Dateiberechtigungen setzen
Section titled “Schritt 9: Dateiberechtigungen setzen”Setzen Sie die Datei- und Verzeichnisrechte für die neue OFORK-Installation.
root> cd /opt/ofork/root> bin/ofork.SetPermissions.plFalls Perl-Module fehlen, müssen diese vor der Migration nachinstalliert werden.
Beispiele:
root> cpan install Mooroot> cpan install Types::StandardUnter Debian oder Ubuntu können benötigte Pakete auch über die Paketverwaltung installiert werden:
root> apt-get install -y libmoo-perlroot> apt-get install -y libtypes-path-tiny-perlSchritt 10: Datenbank für OFORK vorbereiten
Section titled “Schritt 10: Datenbank für OFORK vorbereiten”Wenn aus einer bestehenden OTRS-Datenbank migriert wird, sollte die Datenbank vorab separat gesichert und anschließend für OFORK bereitgestellt werden.
Eine typische Variante ist:
root> mysql -u root -p -e "CREATE DATABASE ofork CHARACTER SET utf8mb4 COLLATE utf8mb4_unicode_ci;"root> mysql -u root -p ofork < /opt/ofork-migration-backup/otrs-before-ofork.sqlWenn die bestehende Datenbank direkt weiterverwendet wird, muss das vorher bewusst entschieden und zusätzlich gesichert werden.
Empfohlen ist eine Kopie der Datenbank, damit das Ursprungssystem im Fehlerfall unverändert bleibt.
Schritt 11: Migrationsskript ausführen
Section titled “Schritt 11: Migrationsskript ausführen”Führen Sie das Migrationsskript als Benutzer ofork aus, nicht als root.
ofork> cd /opt/ofork/ofork> scripts/DBUpdate-to-12.plWährend der Migration können Rückfragen erscheinen, zum Beispiel zur Zeitzone. Die Zeitzone muss bewusst gewählt werden, weil sie Einfluss auf gespeicherte Datumswerte in Tickets, Artikeln und Folgeprozessen hat.
Wichtig:
- Migration nicht abbrechen
- Fehlermeldungen vollständig lesen
- keine Dienste parallel starten
- Logausgaben sichern
- bei Fehlern nicht mehrfach unkontrolliert erneut starten
Schritt 12: Cache und automatisch erzeugte Konfiguration prüfen
Section titled “Schritt 12: Cache und automatisch erzeugte Konfiguration prüfen”Nach der Migration kann es notwendig sein, automatisch erzeugte Konfigurationsdateien neu aufzubauen.
Falls beim Browseraufruf ein Fehler 500 erscheint, kann die Datei ZZZAAuto.pm entfernt werden.
root> cd /opt/ofork/Kernel/Config/Filesroot> rm ZZZAAuto.pmDanach wird die Datei durch OFORK neu erzeugt.
Schritt 13: Dienste wieder starten
Section titled “Schritt 13: Dienste wieder starten”Starten Sie die Systemdienste wieder.
root> /etc/init.d/apache startroot> /etc/init.d/postfix startroot> /etc/init.d/cron startOder mit systemctl:
root> systemctl start apache2root> systemctl start postfixroot> systemctl start cronStarten Sie danach den OFORK-Daemon.
ofork> /opt/ofork/bin/ofork.Daemon.pl startSchritt 14: Funktionstest nach der Migration
Section titled “Schritt 14: Funktionstest nach der Migration”Nach dem Neustart sollte OFORK nicht sofort wieder vollständig freigegeben werden. Prüfen Sie zuerst die wichtigsten Funktionen.
Kontrollieren Sie:
- Login im Agentenbereich
- vorhandene Tickets
- Ticketartikel und Anhänge
- Kunden und Kundenbenutzer
- Queues, Services und Prioritäten
- E-Mail-Empfang
- E-Mail-Versand
- Cron-Jobs
- Daemon-Status
- Systemprotokolle
Ein schneller Daemon-Test:
ofork> cd /opt/ofork/ofork> bin/ofork.Daemon.pl statusSchritt 15: Nacharbeiten
Section titled “Schritt 15: Nacharbeiten”Nach der technischen Migration sollten die Inhalte und Prozesse fachlich geprüft werden.
Empfohlen sind:
- Testticket erstellen
- Antwort per E-Mail versenden
- eingehende E-Mail testen
- Berechtigungen von Agenten prüfen
- Kundenportal prüfen
- Signaturen und Vorlagen kontrollieren
- Systemadresse prüfen
- ausgehende Mailserverdaten testen
- Backup-Plan aktualisieren
Erst danach sollte das System wieder für alle Benutzer freigegeben werden.
Häufige Probleme
Section titled “Häufige Probleme”Fehler 500 nach der Migration
Section titled “Fehler 500 nach der Migration”Ein Fehler 500 deutet häufig auf Konfigurations-, Berechtigungs- oder Perl-Modulprobleme hin. Prüfen Sie zuerst die Webserver-Logs und die OFORK-Logs.
Mögliche Maßnahmen:
root> cd /opt/ofork/Kernel/Config/Filesroot> rm ZZZAAuto.pmroot> cd /opt/oforkroot> bin/ofork.SetPermissions.plTickets sind vorhanden, aber Anhänge fehlen
Section titled “Tickets sind vorhanden, aber Anhänge fehlen”Dann wurden die Artikeldaten wahrscheinlich im Dateisystem gespeichert und nicht vollständig übernommen. Prüfen Sie den Artikelpfad der alten Installation und kopieren Sie den passenden Ordner in das neue System.
E-Mails werden nicht abgeholt
Section titled “E-Mails werden nicht abgeholt”Prüfen Sie Mailkonten, Cron-Jobs, Daemon und Netzwerkzugriff.
ofork> cd /opt/ofork/ofork> bin/ofork.Daemon.pl statusAnmeldung funktioniert nicht
Section titled “Anmeldung funktioniert nicht”Prüfen Sie Datenbankverbindung, Benutzerbestand, Authentifizierungsmodule und eventuell angebundene Verzeichnisdienste.
Rückfallplan
Section titled “Rückfallplan”Eine Migration darf nur gestartet werden, wenn ein Rückfallplan vorhanden ist.
Der Rückfall besteht aus:
- altem Installationsverzeichnis
- Datenbankdump vor Migration
- dokumentierten Dienstzuständen
- gesicherten Konfigurationsdateien
- bekanntem Zeitpunkt der Abschaltung
Wenn die Migration fehlschlägt, wird das neue System gestoppt, die alte Installation zurückgelegt und die Datenbank aus dem Backup wiederhergestellt.
Professionelle Unterstützung
Section titled “Professionelle Unterstützung”Wenn die Migration produktive Supportprozesse betrifft, sollte sie geplant und getestet werden. Besonders bei großen Datenbanken, vielen Anhängen, eigenen Erweiterungen oder externer Authentifizierung ist ein Testlauf auf einem separaten Server sinnvoll.
Bei Problemen mit der Migration können Sie eine Nachricht an support@o-fork.de senden.
Die Migration zu OFORK ist am zuverlässigsten, wenn sie wie ein kontrolliertes Update durchgeführt wird: altes System stoppen, vollständig sichern, neue OFORK-Version installieren, Konfiguration und Daten übernehmen, Migrationsskript ausführen und danach gründlich testen.
Der wichtigste Punkt ist, das Ursprungssystem nicht ungesichert zu überschreiben. Mit einer sauberen Sicherung und einem klaren Ablauf bleibt die Migration nachvollziehbar und im Fehlerfall rückgängig machbar.